Renaissance der betrieblichen Sozialordnung – als Grundpfeiler für die Organisationale Resilienz?

Zugegeben, bei dem Titel hatte ich selbst erst einmal dicke Fragezeichen vor meinen Augen. Passt in Zeiten der Digitalisierung noch so ein Begriff wie der der Sozialordnung aus den siebziger Jahren? Selbst Bayern hatte sich 2013 vom Begriff „Sozialordnung“ verabschiedet. Das ehemalige „Bayrische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung“ wurde in das „Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales“ umbenannt. Ein Schritt, der auf Bundesebene schon viele Jahre vorher stattfand.

Referent: Josef Reindl sozialwissenschaftlicher Berater und Forscher COGITO-Institut

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Josef Reindl ist überzeugt, dass der Begriff Sozialordnung mehr denn je in unsere Zeit passt, viel besser als Leerformeln wie bspw. Employer Branding oder Emotional Leadership, denn eine Sozialordnung ist mehr als ein kurzfristig wirkendes Marketinginstrument zur Kaschierung von bestehenden Missständen.

Sozialordnung ist eine Art der Unternehmens-DNS – ein zumeist informeller Vertrag über alle Hierarchiestufen und quer durch alle Abteilungen eines Unternehmens. Eine Sozialordnung ist das Grundkonstrukt und erklärt vor allem das WARUM. Warum bin ich in diesem Unternehmen tätig? Warum engagiere ich mich für dieses Unternehmen? Warum bin ich wichtig für mein Unternehmen und mein Team? Warum trage ich Verantwortung?

Und genau die Antworten auf diese Fragen sind nach Ansicht von Josef Reindl existenziell für den Erfolg von Unternehmen in der aktuellen VUCA-Welt. Das Warum ist sinnstiftend und wirkt wie Kitt zwischen Menschen und Organisationen und das vor allem in zunehmend unsicheren Zeiten.

Denn was passiert, wenn der Einzelne den Sinn für das Warum verliert? Die Geschäftsführung verlieren wichtige Zeit, bindet ihre Ressourcen und verliert an Dynamik, um interne Brandherde zu löschen. Brandherde, die nicht entstanden wären, wenn Mitarbeitende das Warum teilen würden.

Diese internen Brandherde entwickeln sich zu Flächenbränden, die die Produktivität und Qualität gefährden. Damit steigt die Unzufriedenheit der Kunden, und wieder ist die Führung damit beschäftigt, externe Brandherde zu löschen.

So atavistisch der Begriff „Sozialordnung“ auf den ersten Blick anmutet – so viel tiefes Wissen steckt darin. Wissen, wie Unternehmen dauerhaft erfolgreich sein können, dauerhaft im Sinne ihrer Kunden als einzigartig gelten, dauerhaft für Mitarbeiterinnen und neue Talente attraktiv sind und in jeder großen oder kleinen Krise die Chancen nutzen, um Großes zu bewegen.

In seinem Online-Seminar entführt uns Josef Reindl in eine Welt, in der alles scheinbar noch in Ordnung war und vermittelt uns dabei ganz nebenbei, was für die Zukunft von zentraler Bedeutung sein wird.

Referent

Josef Reindl

Jahrgang 1953. Humanistisches Gymnasium. Studium der Soziologie und der Volkswirtschaftslehre. Diplom-Soziologe.

Von 1983 bis 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am iso-Institut Saarbrücken im Schwerpunkt Industrie- und Arbeitssoziologie. Durchführung zahlreicher wissenschaftlicher Projekte (Grundlagen- und Anwendungsforschung, Gestaltungs- und Beratungsprojekte) in mitarbeitender und/oder leitender Funktion.

Arbeitsschwerpunkte: Zunächst Studien zur Soziologie des industriellen Mittelstands, u.a. zusammen mit H. Kotthoff die Grundlagenstudie „Die soziale Welt kleiner Betriebe“. Später ab 1994 ausgelöst durch eigene biographische Erfahrungen Hinwendung zum Themenkreis betriebliche Gesundheitspolitik; dabei Entwicklung eines eigenen gesundheitspolitischen Ansatzes („ressource“). Weiterhin Projekte zur Reorganisation in Unternehmen und (in kritischer Distanz zum Forschungs-Mainstream) zum demographischen Wandel in der Arbeitswelt. In letzter Zeit zunehmend interventionistische Forschung in Unternehmen: Beratung und Gestaltung von Ver­än­der­ungs­pro­zes­sen, Umgang mit den psychischen Risiken moderner Arbeit

Methodische Ausrichtung: qualitative Sozialforschung; v.a. betriebliche Fallstudien und Aktionsforschung. Kennzeichnend ist eine tiefe und breite empirische Durchdringung der betrieblichen Realität. Ergebnisse der Forschung werden in den betrieblichen Diskurs eingespeist.

Theoretische Ausrichtung: Versuch eine Synthese der Politischen Ökonomie und der Phänomenologie. Das zentrale Interesse gilt der kulturellen Überformung der Ökonomie und der handlungssoziologischen Anreicherung der Marx’schen Ka­pi­ta­lis­mus­kri­tik. Veröffentlichungen: Zahlreiche Buch-Publikationen sowie Aufsätze in sozialwissenschaftlichen und anderen Zeitschriften.

Seit Herbst 2014 selbständiger sozialwissenschaftlicher Berater und Forscher. Mitglied des COGITO-Instituts.

Moderator

Hans Jürgen Dorr

geb. 1954, hat nach Abschluss seines Wirtschaftswissenschaftlichen Studiums mit dem Schwerpunkt Organisationsentwicklung zunächst beim RKW NRW umfangreiche Beratungs- und Schulungskonzepte entwickelt und umgesetzt.

Seit 2004 ist er Inhaber des von Ihm gegründeten Beratungsunternehmens d-ialogo mit Sitz in Wuppertal. Seit 2006 in der Initiative Neue Qualität der Arbeit engagiert. Partner in diversen Forschungs- und Transferprojekten zum Thema: Demografie, Arbeitsfähigkeit und Arbeitszeit.

Seit 2019 Partner im Erasmus+ Projekt:  ECI EntreCom Implementation zum Thema Entrepreneurship.

Umfangreiche Beratungs-, Vortrags-, Seminar und Trainingstätigkeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Unternehmen und Ministerien.

Autorisierter Berater: INQA Programm: unternehmensWert: Mensch und unternehmensWert: Mensch plus des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Vorstandsvorsitzender: INQA Netzwerk Demografie-Experten e.V. (DEx) und Ausbilder für Demografielotsen.

Hans Jürgen Dorr

Hans Jürgen Dorr

d-ialogo - Partner für innovative Qualifizierung + Unternehmensentwicklung e.K.